19.07.2019

Beilstein an der Mosel – eine natürliche Filmkulisse seit nahezu einem Jahrhundert

Beilstein ein winziges Moselörtchen unweit von Cochem zieht durch seinen weitestgehend unveränderten historischen Ortskern seit 200 Jahren Künstler, Sommerfrischler und seit den 1930er Jahren immer mehr Urlauber in seinen Bann.

Filme, die eine historische Kulisse benötigten, wie der Film Schinderhannes von 1958 mit Curd Jürgens und Maria Schell oder die englische Produktion Vanity Fair von 1998 mit Frances Grey fanden hier ideale Bedingungen bzw. noch vorhandene historische Häuser und Straßenansichten. In der Zeit von 1933 bis 1945 wurden in Beilstein zwei Filme gedreht, die dem Nazi-Genre des vermeintlich unpolitischen Heimatfilmes entsprachen.

Die Ufa-Produktionen 
Das Verlegenheitskind  von 1938 mit Paul Klinger und Ida Wüst und noch viel mehr der Film Wenn wir alle Engel wären aus dem Jahre 1936 mit Heinz Rühmann und Leni Marenbach kamen dem Wunsch nach Ablenkung und Zerstreuung der Kinobesucher entgegen.

 

Die 1950er Jahre waren für Beilstein als Filmkulisse das erfolgreichste Jahrzehnt. Die westdeutsche Filmproduktion setzte nahezu unverändert an den Publikumsgeschmack der Zuschauer aus der Vorkriegszeit an und produzierte zahlreiche Heimat- und Liebesfilme in gewollt romantisch verklärter Landschaft. Hier konnte Beilstein Einiges bieten und so kam es in dichter Abfolge zu den Filmen Der fröhliche Weinberg von 1952 u.a. mit Gustav Knuth, Paul Henckels, Camilla Spira und Willy Millowitsch und Moselfahrt aus Liebeskummer (1953) mit Will Quadflieg und dem seinerzeitigen Kinderstar Oliver Grimm. Der Stoff Wenn wir alle Engel wären wurde 1956 ein zweites Mal in Beilstein abgedreht, diesmal mit Dieter Borsche und Marianne Koch. 1958 wurde schließlich der sehr erfolgreiche Film Der Schinderhannes mit Curd Jürgens und Maria Schell in den Hauptrollen gedreht. Der letzte Film aus dem Genre Heimatfilm war schlussendlich der 1960 produzierte Streifen Der wahre Jakob mit Willy Millowitsch.

Nach dem Niedergang des Deutschen Films in den 1960er bis 1980er Jahren diente Beilstein fast 40 Jahre lang keiner Spielfilmproduktion mehr als Filmkulisse. Heimelige und rührselige Heimatfilme kamen aus der Mode. Erst im Jahre 1998 suchte das britische Fernsehen für die Verfilmung des Romans Vanity Fair (dt. Jahrmarkt der Eitelkeiten) ein typisch deutsches Dorf aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts. Die Wahl fiel auf Beilstein. Mehr als eine Woche war das englische Filmteam mit englischen Schauspielern (u.a. Frances Grey) aber auch einem Hollywood- Kinderstar in Beilstein beschäftigt. Etwa 30 Beilsteiner (so auch der Autor dieses Beitrages) waren als Komparsen am Film beteiligt.

Neben den zahlreichen Filmen wurden in Beilstein immer wieder Fernsehbeiträge produziert. Meist war der SWR hier federführend, aber auch der WDR mit beispielsweise einer Folge Fahr mal hin mit der Moderatorin Tamina Kallert.

Viele dieser Filmgeschichten und Anekdoten erzählt Rainer Vitz bei seiner historischen Stadtführung „700 Jahre Beilstein“. Informationen unter www.stadtfuehrungen-beilstein.de.  

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Mehr Informationen:

Der Autor Rainer Vitz beschäftigt sich seit 15 Jahren mit der Beilsteiner Geschichte und führt die „Historischen Stadtführungen 700 Jahre Beilstein“ regelmäßig durch.

Informationen hierzu: www.stadtfuehrungen-beilstein.de