09.11.2017

Karl Marx und die Wirtschaft

Welche Bedeutung hat Marx für die Wirtschaft heute? Was sagen uns seine Theorien im 21. Jahrhundert? Diesen Fragen widmen sich derzeit – insbesondere mit Blick auf den 150. Geburtstag des „Kapitals“ – zahlreiche Aufsätze, Artikel, eine Ausstellung und Diskussionsrunden. Doch was wollte Marx mit seinen Thesen in seiner Zeit sagen? Wie verschaffte er sich Einblicke in die damaligen wirtschaftlichen Bedingungen und wie wurde er vom Philosophen zum Ökonomen? 

Die große Landesausstellung KARL MARX 1818 – 1883. LEBEN. WERK. ZEIT. dokumentiert dies im kommenden Jahr (5. Mai bis 21. Oktober 2018) in gleich zwei Trierer Museen. Das Rheinische Landesmuseum Trier, das den intellektuellen wie politischen Werdegang von Marx nachzeichnet, behandelt „Marx und Ökonomie“ als einen Ausstellungsschwerpunkt und präsentiert zahlreiche Original-Dokumente. Die Ausstellung im Stadtmuseum Simeonstift, die sich vor allem dem Menschen Marx widmet, zeigt, welche Bedeutung das Thema Ökonomie in dessen Leben hatte. 


Karl Marx Figurine und Marx Container, (c) C.Heinen

Karl Marx – 1818 in die Zeit eines wirtschaftlich aufstrebenden Bürgertums hineingeboren – lernte schon bald Zensur, Repression und Armut kennen. Er durchlief eine rasante Entwicklung vom Philosophen über den Radikaldemokraten bis hin zum Kommunisten und Gesellschaftskritiker. Mit der Not der Moselwinzer und dem damit verbundenen Holzdiebstahl begann Marx‘ Politisierung: in seinen ersten journalistischen Arbeiten kritisierte er die ökonomischen Verhältnisse – ein Kapitel, das in der Ausstellung im Simeonstift anschaulich dargestellt wird. Als Journalist wurde er zum Revolutionär durch das Wort. Nach der gescheiterten Revolution von 1848 setzte Marx im Londoner Exil seine ökonomischen Studien fort und analysierte die sich immer vehementer ausprägende kapitalistische Produktionsweise und das ihr entsprechende Gesellschaftssystem. Seine Analysen werden noch heute diskutiert.

Wie Engels Marx zum Ökonomen machte

„Das Kapital“ machte Marx weltweit bekannt. Während der erste Band vor genau 150 Jahren, 1867 in Hamburg, erschien, trat der Ruhm erst nach seinem Tod 1883 ein, als Friedrich Engels die Notizen und Ideenskizzen seines Freundes Marx zusammenführte und die Bände zwei und drei herausgab. Engels besorgte zudem die erste englische Übersetzung und beförderte dadurch die internationale Wahrnehmung der Publikation. Es war auch Friedrich Engels, der Karl Marx zur Ökonomie führte. Karl Marx war zeitlebens Theoretiker und hat wohl kaum je eine Fabrik von innen gesehen. Die umfangreichen Kenntnisse in Sachen praktischer Ökonomie brachte Engels ein, der als Sohn eines erfolgreichen Textilunternehmers in Barmen in einer Familienniederlassung in Manchester Gelegenheit hatte, die Situation der Arbeiter aus nächster Nähe zu beobachten. Nach einem gemeinsamen Besuch in der Stadt, die damals aufgrund der dort ansässigen Baumwollindustrie auch „Cottonopolis“ genannt wurde, wandte sich Karl Marx verstärkt der Ökonomie zu. Das Landesmuseum widmet daher der Hinführung von Marx zur Ökonomie über Friedrich Engels einen Ausstellungsteil. Präsentiert wird hier etwa die frühe und wegweisende Schrift von Friedrich Engels, „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“, in der er seine Beobachtungen in Manchester zusammenfasste. Auch in der Ausstellung im Stadtmuseum Simeonstift wird die Industrie- und Sozialstruktur Manchesters dargestellt und die enge Freundschaft zwischen Marx und Engels beleuchtet.

Nach Ende der 1848/49er-Revolution vertiefte Karl Marx seine ökonomischen Studien. Im Londoner Exil nutzte er den Lesesaal der großen Bibliothek im British Museum mit einem Bestand von damals einer Million Büchern aus aller Welt. Marx studierte dort die Schriften der bedeutenden Ökonomen wie Adam Smith und David Ricardo, las aber auch aktuelle Tageszeitungen mit ökonomischem Schwerpunkt wie „The Economist“. Ihn interessierte der Zusammenhang von Wirtschaft und Gesellschaft, die Auswirkungen des kapitalistischen Systems auf die gesellschaftliche Struktur und die Lebensverhältnisse der arbeitenden Bevölkerung. Außerdem untersuchte er das Phänomen der wirtschaftlichen Krisen. Er schöpfte daraus die Hoffnung, dass aus einer Wirtschaftskrise heraus soziale Unruhen zu einem Umsturz des kapitalistischen Systems führen könnten. Als im Sommer 1857 eine erste sich weltweit auswirkende Krise ausbrach, führte er akribisch alle Informationen in seinem „Book of the Crisis of 1857“ zusammen. Dieses Buch wird im Rheinischen Landesmuseum im Original zu sehen sein. Besucher werden daneben die Möglichkeit haben, in einem Faksimiledruck die Krisenanalyse nachzuvollziehen.

Zwar konnte Karl Marx mit seiner Beobachtung beweisen, dass die Selbstregulierungskräfte des Marktes nicht ausreichen, um Krisen zu bewältigen. Doch irrte er in der Annahme, das kapitalistische System würde in einer Krise zugrunde gehen können. Er unterschätzte die Flexibilität des Systems. Dennoch gelten seine Erkenntnisse um die störanfällige Dynamik des Kapitalismus weiterhin als erste fundierte Analyse der Gesamtzusammenhänge. Gerade deshalb lohnt sich noch heute eine Auseinandersetzung mit Marx‘ Ökonomie.

Weitere Informationen unter www.karl-marx-ausstellung.de.

HINTERGRUND

Anlässlich des 200. Geburtstags von Karl Marx widmet sich die große Landesausstellung in seiner Geburtsstadt Trier in zwei Museen den vielen Facetten von Marx als Mensch und Analytiker. Das Rheinische Landesmuseum Trier beleuchtet unter dem Titel „Leben. Werk. Zeit.“ Karl Marx und sein Jahrhundert und zeichnet den intellektuellen wie politischen Werdegang von Marx nach. Die Ausstellung „Stationen eines Lebens“ im Stadtmuseum Simeonstift Trier beleuchtet das bewegte Leben von Karl Marx und verfolgt den Lebensweg von Marx‘ Kindheit in Trier bis zum Exil in London. Die Landesausstellung nimmt das Jubiläum nicht nur zum Anlass des Erinnerns, sondern will auch die Aktualität der Marx‘schen Theorien hinterfragen. Die Ausstellung wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags. Schirmherr der Ausstellung ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

HINWEIS an die Redaktionen:

Über eine Veröffentlichung in Ihrem Medium freuen wir uns. Pressebilder sowie weitere Presseinformationen finden Sie im Pressebereich der Ausstellungs-Website:

https://www.karl-marx-ausstellung.de/presse/pressebilder.html. Bis zur Eröffnung der Landesausstellung am 5. Mai 2018 informieren wir rund um den 5. jedes Monats über die verschiedenen Themen der Ausstellung, Hintergründe zu Leben und Wirken von Karl Marx sowie zum großen Jubiläumsprogramm 2018.

Weitere  Infromtionen:

Pressebüro  "KARL MARX 1818 – 1883. Leben. Werk. Zeit."
c/o projekt2508 GmbH
Presseservice
Riesstraße 10
D-53113 Bonn
T: +49(0)228 / 184967-24
F: +49 (0)228 / 184967-10
presse@karl-marx-ausstellung.de
www.karl-marx-ausstellung.de