Ehemalige Synagoge Zell

Ehemalige Synagoge
Jakobstraße
56856 Zell (Mosel)

Beschreibung

Synagoge Zell

1849 verkaufte der damalige Landrat Alexander Moritz die oberen Stockwerke, des zum Zeller Schloss gehörenden Domestikengebäudes, für 300 preußische Taler an die israelitische Gemeinde Briedel-Zell. Etliche Bauauflagen, seitens des Verkäufers, mussten eingehalten werden.
Mitte der 20er Jahre reichte der Raum nicht mehr für alle Gläubigen aus und es kam zu einer Renovierung, so entstand eine Frauenempore, die mehr Raum schaffte, der Sternenhimmel, sowie ein neuer größerer Thoraschrein; eine Kriegsgefallenentafel wurde angebracht, elektrische Beleuchtung installiert. Bänke stiftete die Essener Synagogengemeinde, die Menorah, die Gesetzestafeln und der Giebel an der Jakobstraße entstanden neu. Die beiden Rundfenster, an der Ostseite, wurden wegen des größeren Thorascheins zugemauert, die Wände durch ockerfarbigen Anstrich verziert.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 entfernte die örtliche Polizei auf höhere Weisung hin alle Kultgegenstände, bevor Rollkommandos der SA dem "empörten Volkszorn wegen der Ermordung des deutschen Legationsrats von Rath in Paris" ihren Lauf ließen. Die Portaltür wurde mit Fremdschlüsseln geöffnet, anschließend das verbliebene Inventar (Bänke, Thoraschrein, Leuchter, Fenster und Thoravorhang) demoliert oder entwendet. Laut Polizeiprotokoll durfte keine Brandschatzung stattfinden (wegen des sich anschließenden Kurfürstlichen Schlosses).
Damit erlosch das Leben der israelitischen Gemeinde Zell.
1939 musste der Bullayer Fleischer Gustav "Israel" Harf, als letzes verbliebenes Synagogenmitglied das Gebäude für RM 1000,- an den Schlossbesitzer Bohn verkaufen. Ein Jahr später mietete der Textilkaufmann P. J. Piacenza das ehemalige Gotteshaus als Lagerraum, auch, um es vor weiteren Zerstörungen zu schützen. Er schrieb an die Innenseite der Eingangstür das Wort "kosher" in hebräisch.
Die Zeller Stadtbürgermeister Döpgen und Bamberg bemühten sich, das Gotteshaus als Mahnmal zu erhalten, aber erst durch den Besitzerwechsel und die Unterdenkmalstellung gelang es 2001, die ehemalige Synagoge dem Verein "Freundeskreis Synagoge Zell" zur Nutzung zu überlassen.

Im Spätjahr 2002 konnte mit der Restaurierung der Synagoge begonnen werden.

Die Synagogengemeinde Zell
Zur Synagogengemeinde Zell zählen die Nachbarorte des Zeller Hamms, Pünderich, Briedel, Zell, Merl, Bullay, Alf, Bad Bertrich (insgesamt bis zu 80 Mitglieder, Stand 1925), deren Berufe waren: Kaufleute, Fleischer, Uhrmacher, Tuchhändler, Gastwirte, Weinhändler, Schneider.
Bis ca. 1935 übten sie ihre Berufe ungestört aus. Danach begannen die Schikanen und es gelang der Mehrzahl der jüdischen Gemeindemitglieder zu emigrieren, vor allem in die USA, nach Palästina, Südafrika und Südamerika. Ab 1940 begannen die Nazis mit der Evakuierung, erst deportierten sie die Verbliebenen in größere westdeutsche Städte (Trier, Koblenz, Köln, Düsseldorf) um sie von dort aus in den Vernichtungslagern des Ostens umzubringen. Im Zeitraum von 1936 bis 1943 kamen 34 Mitglieder der Zeller Synagogengemeinde durch die Gewaltherrrschaft der Nationalsozialisten ums Leben.
Die Zeller Gemeinde existierte beinahe 90 Jahre, sie endete am 10.11.1938 durch die Reichsprogromnacht.
Im Jahre 1995 lud der Kreis Cochem-Zell alle Überlebenden zu einer Begegnungswoche ein, es kamen 8 ehemalige Mitglieder der Gemeinde.

Information:
Freundeskreis Synagoge Zell
Herr Piacenca
Bergstr. 96
56859 Bullay
Tel. +49 6542 21304
piace@gmx.de

Öffnungszeiten

Mai bis Oktober und auf Anfrage Samstag 15:00 - 17:00 Uhr