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Das Kind von Krames

Das Kind von Krames
Klausener Pfad 7
54498 Piesport

Beschreibung

Ein kleines Kapellchen, genannt „Michels Kirche“, erinnert noch heute an den Standort. Gerne feierten die Auswärtigen bei solchen Gelegenheiten in Piesport, denn oft gab es verwandtschaftliche Beziehungen und Freundschaften. Aber besonders wichtig war, dass an Ort und Stelle der Moselwein genossen werden konnte. Bei diesen Feiern entstanden nicht selten die tollsten Geschichten: „In der Familie eines reichen Bauern aus Krames wird ein Stammhalter geboren, und so gehen wenige Tage später - ohne die Wöchnerin - der stolze Vater mit Paten und Patin, der Hebamme sowie einigen Bekannten in das Pfarrdorf, um dort das Kind taufen zu lassen. Nach der heiligen Handlung begibt sich die Familie in das Haus eines bekannten Winzers, um hier die Kindtaufe zu feiern. Der glückliche Vater will nicht geizig sein und auf keinen Fall „den kleinen Mann“ spielen. So etwas kann ein Bauernstolz nicht vertragen. Also wird in des Winzers bester Stube ausgelassen bei Speis und Trank sowie bei Witz und Humor gefeiert. Man lässt halt den lieben Gott einen guten Mann sein. Das Kind hat man wohl versorgt in den Taken (Eisengestell für Brennholz) hinter den Ofen gelegt. Als ob es weiß, dass auch ohne seine Mithilfe genug Lärm ist, verhält es sich trotz seiner ungewohnten Umgebung seelenruhig fern seiner besorgten Mutter. So wie die Stimmung immer mehr zunimmt, so vergehen auch die Stunden. Als sich die Dämmerung langsam durch Tür und Fenster schleicht, erreicht die Feier ihren Höhepunkt. Eine Flasche nach der anderen wird geleert, und man singt und grölt noch den ganzen Tag. Erst in den späten Abendstunden denkt man ans Aufbrechen. Der Abschied aber fällt schwer und dauert lange. Schließlich zieht die Taufgesellschaft zur nächtlichen Stunde lärmend durch das Dorf in Richtung Krames. Welch ein Schreck durchfährt ihre weinberauschten Glieder, als die Mutter daheim nach ihrem Kind verlangt. Keiner kann ihr das Bündel geben. Wie denn auch. Der entsetzte Vater rennt schreckensbleich in die dunkle Nacht hinaus. Die Piesporter Winzerfamilie staunt nicht schlecht, als in den frühen Morgenstunden der Vater aus Krames scheu und verlegen an die Haustür klopft. Ohne einen Morgengruß zu sagen, stürmt er an den Winzerleuten vorbei in die gute Stube. Dort liegt der Kleine still vergnügt im Taken und schaut mit wachen Augen den Vater an. Dieser glaubt, ein Lächeln erkannt zu haben. Er begibt sich sofort auf den Heimweg, um möglichst bald seine kostbare Fracht der Mutter zu überbringen. Ein Piesporter Frühaufsteher aber hat den Mann aus Krames durch das Dorf eilen sehen, der sein Bündel auf dem Arm trug.“ Bald war die Geschichte von dem Kind aus Krames, das trotz des Lärmes sich doch so ruhig verhalten konnte, in aller Munde. Wenn sich heute jemand in einer Gesellschaft auffallend still verhält, sagt man: „Der ist so ruhig wie das Kind von Krames“ (die Geschichte soll sich im Haus „Klausener Pfad 7“ zugetragen haben)